Sacra. Die heiligen Dinge

SACRA

Netzwerkprojekt „Kunst und Wissenschaft“ mit einer jurierten Ausstellung vom 13. Mai – 24. Juni 2010 in der Universitätskirche Rostock

Jede Kirche ist eine Stein gewordene Zeugin des Übergangs von Religion in Kunst – Architektur gewordene Deutungsangebot zur Orientierung in einer kaum mehr durchschaubaren Welt. Diese ureigene religiöse Raum-Funktion erhält umso schärfere Konturen, wenn eine alte Klosterkirche seit über einem Jahrhundert als Universitätskirche genutzt wird. Denn hier begegnen Studierende und ihre Dozenten einer Tradition, die sich offen zeigt für den gegenwärtigen Stand der Dinge. Die Universitätskirche ist der Ort, an dem der akademische Alltag auf die religiösen Ästhetiken christlicher Religionskultur trifft.

Das Projekt „sacra“ will dieses Zusammentreffen mit den Mitteln der bildenden Kunst neu ins Bewusstsein heben. Die Wirkung und Anmutung des Kirchenraumes soll künstlerisch kommuniziert und transformiert werden. Begegnungen zwischen fremd-vertrauter Tradition und moderner Formensprache zielen darauf ab, die Raumwahrnehmung zu verlangsamen und zu irritieren. „Sacra“ erinnert damit im Zentrum religiös-akademischer Darstellung an die Grenzen schnellen Verfügungs wissens.

Beteiligt ist die Stralsunder Autorin Silke Peters

Aus der Projektbeschreibung der Universität Rostock (unten zwei Texte von Silke Peters):

Sacra. Die heiligen Dinge. Opfer. Es gibt sie hier nicht. Wir spüren vielleicht einige Schwundstufen auf, Profanierungen, wer weiß. Das Museale. Die Frauen des mittelalterlichen Zisterzienserinnenklosters als Opfer, vom normalen Leben gerettet, in ihre Frömmigkeit gerettet wie Margarete aus Seenot. Wer weiß. Ich nicht. Aber als Subtext schreibt es sich seit dem letzten Sommer in meine Texte durch. Vielleicht ist der Text schon fertig und ich weiß es nicht. Meine Texte sind  experimentell im schwachen Sinn, sie wissen vorher nichts von einem Wohin, benutzen Tiefenbewusstsein, Trance und Traum. Interessieren sich für einen Wahrnehmungsstrom als Ort, der sich an emotionaler Druckstärke, an einer Potentialität der Dinge orientiert.

Werkproben / Texte

Wartburg

sky writing die Abschreiberin die nicht lesen kann kopiert die Muster die fehlerfrei überlieferten Muster white box test der Innenraum der Mystik ist erreicht wird jetzt erreicht wie in Trance schreibt sie ab den Finger auf der Bildunterschrift die Psalter laufen über die gezogene Linie hin das Licht ist gedimmt nach all diesen Jahren herunter gedimmt Buchstaben kleben auf all diesen Wänden der Burg

Kartlow

in Berufung auf die jenseitige Stadt Wort wird Stein und sie bauten doch Schlösser und die Friedhöfe abseits unter der Friedenseiche keimten die Früchte des letzten Jahres langsam wie ein dann doch gefräßiges Gespräch das hier wächst hinter der Aussichtslosigkeit des Menschenackers hinter den blinden Augen einer Skulptur hinter den erhobenen Händen einer die ganz am Rand steht trösten die Zink Kannen wie über den Verlust der umgepflügten Wege die wie Wollfäden die Erinnerungen halten übers Jahr

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Über lyrikzeitung

Greifswald
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