ITzt wil ich in den Wald…

Sonett von Sibylla Schwarz (1621 – 1638)

ITzt wil ich in den Wald/ und mit Dianen jagen!
Ich lieb’/ und das ich lieb/ gefält mir selber nicht;
dann Lieb‘ ist solch ein Tuhn/ das alles guhte bricht/
mein Elend ist zu groß; Ich muß mich damit plagen/
das mein Gewissen krenckt/ und stets Verlangen tragen
nach dem/ das mir nicht wird: die böse Liebes Gicht/
die grimme Tobessucht/ hat mich so zugericht/
daß ich nicht ich mehr bin; Itzt will ich ihr entsagen/
so viel ich immer kan/ dan ungegründte Trew
läst nimmer friedsam seyn/ und bringt zu späte Rew;
Sie ist ein fressend Fewr/ und frisst sich nimmer satt/
ist blind/ ist Wind/ und brent/ ist ein Verderb der Jugend/
sie ist ein guhtes Bös‘ und lasterhaffte Tugend;
doch sey sie/ wie sie wol/ mich macht sie faul und matt.

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Greifswald
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