Fragen Sie Reich-Ranicki

Wann haben Sie zum ersten Mal Bücher von Hans Fallada gelesen? Ist er heute noch lesenswert? Walter Ferber, Leipzig

Reich-Ranicki: Ja, Fallada war lesenswert, er ist es immer noch. Er stammt aus Greifswald, im Zweiten Weltkrieg war er „Sonderführer“, 1944 musste er in einer Trinkerheilanstalt untergebracht werden. Er starb 1947 in Berlin an einem Übermaß von Betäubungsmitteln.

Fallada fand ein enormes Publikum. Seine Erzähler aus der Alltagswelt bewährten sich immer wieder als ungewöhnlich befähigte Milieuschilderer. Sein Roman „Bauern, Bonzen und Bomben“ ist der effektvoll geschriebene Bericht über eine Bauernrevolte in Norddeutschland. 1932 war sein erfolgreichstes Buch „Kleiner Mann – was nun?“ erschienen, das auch auf der Bühne sehr erfolgreich inszeniert wurde. Während des Dritten Reiches hat auch sein Buch „Wer einmal aus dem Blechnapf frißt“ viele Leser gefunden. Ein später, unvergesslicher Roman hatte den knappen Titel „Der Trinker“. / Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung / Sonntagsfrage, 3.7. 2010

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Greifswald
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