Was wäre Greifswald

ohne Studenten? Verschlafen. Ich sags noch deutlicher: ohne Kunst-, ohne Lehrerstudenten! Nichts gegen alle anderen, aber die Kreativität der genannten Studentengruppen prägt die Stadt (wenn man hingucken will, was man nicht jedem Politiker zumuten mag. Danke, setzen!).

Im Oktober 2001 erschien ein kleines graues Heft mit dem Titel „Wust. Ein Kunst mit Butter oder ein Sommertag mit Tanten. Bekenntnisse eines Mädchens“. Im Impressum stand: C. Binkele Verlag Greifswald. Camilla Binkele hieß die Verfasserin, also Eigenverlag.

Im März 2002 erschien unter dem selben Titel mit dunkelblauem Umschlag ein Heft mit nur leicht verändertem Inhalt. Verlagsname jetzt: KunstLeuteKunst. Der Student Innokentij Kreknin, genannt Käscha, hatte mit Freunden einen Verlag und eine Zeitschrift des gleichen Titels gegründet. Ein paar Jahre lang erschienen Titel, meist Gedichtbände, unter diesem Label. Studenten gehen irgendwann weg, und so verschwanden Verlag und Zeitschrift wieder.

„Greifswald holt auf“, schrieb ich damals irgendwo. Das zielte auf Stralsund, das keine Uni hat, aber mit Mückenschwein eine langjährig kontinuierliche wohlansehnliche Verlagsarbeit, und manches andere noch.

Die Hefte findet man in sehr gut sortierten Bibliotheken – darunter im Falladahaus. Nach Voranmeldung kann man dort das Verlagsprogramm von KunstLeuteKunst einsehen.

Hier ein Gedicht von Camilla Binkele, die heute als Lehrerin in ihrem Heimatland Baden-Württenberg arbeitet. Es handelt sich um eine besondere, in einem Seminar entwickelte Form, die wir „Vokalsestine“ nannten, weil sie das Permutationsschema der Sestine auf ein „Vokalgedicht“ anwandte, indem jede Zeile aus 5 Silben bestand, in der ersten Zeile in der alphabetischen Reihenfolge der Vokale, die Folge wechselt dann in leicht hinkendem Sestinenschritt (weil es nur 5 Vokale gibt, aber 6 Sestinenzeilen), und in der 6. Zeile ist man wieder im Lot. Camilla Binkele:

Wetterumbruch

Wahn geht im Moor um.
Dunst am Tor steht still.
Wild ruht der Park, horch!
Morsch singt’s kahl durch’s Feld.
Der Zorn summt im Pfad …
naht fern – Licht – grollt Sturm.

NB wer heute Kreativität sucht: morgen Nachmittag, Mittwoch 14:30 bis 17 Uhr besteht die letzte Gelegenheit zum Besuch der internationalen Mail Art-Ausstellung „who am I“.

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Über lyrikzeitung

Greifswald
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