„Dass ist das dritte Reich?“

Für den Schriftsteller Hans Fallada begann der Roman mit einer Akte, die er ‚ohne Zu- oder Abneigung‘ prüfen wollte, ‚rein sachlich, wie etwa ein Tischler-meister seine Bretterstapel auf ihre Verwendbarkeit durchgeht‘. Am 25.September 1942 legt Kriminalsekretär Willy Püschel unter dem Stapo-Aktenzeichen IV A 1 c das Ergebnis seiner Recherchen vor. Es ist ein Bericht, der seinesgleichen sucht: sachlich, gründlich und in seiner kriminalistischen Logik bezwingend. Seit zwei Jahren, genau seit dem 2. September 1940, finden sich in Treppenhäusern im Berliner Nordwesten handgeschriebene Karten, auf denen in ungelenkem Deutsch zum Widerstand aufgefordert wird: ‚Deutsche Past auf! Last Euch nicht Dicktatorisch unter kriegen was sind wir noch! dass Stumme Vieh! Gegen diese Fesseln müssen wir uns wehren sonst ist es zu spät!‘ Oder: ‚Deutsche Männer und Frauen Wir müssen an uns selbst glauben! Nicht den Schurken Hitler!‘ Oder: ‚Wo ist unserer erkämpfte Freiheit geblieben!!!!‘

‚Ein deutscher‘ will die Karten geschrieben haben, aber wer wagt so etwas? Wer drängt: ‚Es ist höchste Zeit dass wir nun endlich den Mut aufbringen der Hitler Regierung die Zähne zu zeigen.‘ Wer reimt: ‚Der Hitler hat keine Frau,/der Schlächter keine Sau!/Der Bäcker keinen Teich,/Dass ist das dritte Reich?‘ Wer fordert: ‚Nieder mit der Kriegsschuldigen Hitler Bande?‘

/ Willi Winkler, Süddeutsche Zeitung 19.7., S. 3

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Greifswald
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