Haus der 100.000 Bücher

Jeeser: Ziel für Pilzsuche und Waldspaziergänge. Hier gab es, lange her, eine Gaststätte direkt am Bahnhof. Seit Jahren ist es das „Haus der 100.000 Bücher“, ein versteckter Fundort für viele Bücher. In der Masse schwer zu finden, aber die Mühe lohnt. Manches feine Fundstück hab ich dort erworben. Kürzlich ein Buch des Dichters Johannes Poethen: Wer hält mir die Himmelsleiter. Gedichte 1981-1987, erschienen 1988. Das Buch hat den Stempel: Eigentum Gemeindebücherei Mosel (Buchnummer 152 / 95, also wohl das 152. Buch, das im Jahrgang 1995 erworben wurde). Die Bibliotheken sind gehalten, wenig ausgeliehene Bücher nach wenigen Jahren zu entsorgen. Der eingeklebte Ausleihzettel enthält keinen einzigen Eintrag, so wurde es aussortiert und landete in Jeeser. Jetzt füllt es eine Lücke in meiner Lyriksammlung (denn 1988 reichte meine Kaufkraft nicht bis bis in den Westen, bzw. Südwesten. Ich kam nicht hin, und die Bücher kamen nicht her).

Ein anderes kürzlich dort gefundenes Buch stammt von Michael Krüger, es heißt: „Idyllen und Illusionen. Tagebuchgedichte“ und erschien 1989 bei Klaus Wagenbach – mir auch damals unzugänglich. Erst im November des Jahres kam ich zum ersten Mal nach Westberlin, aber mein bißchen Westgeld reichte noch nicht zum Bücherkauf. Auch dieses Buch trägt einen Bibliotheksstempel, diesmal von der Gemeindebibliothek Brandshagen im nördlichen Vorpommern. Aha, es gab dort jemanden, der nach der Währungsunion Gedichtbände westdeutscher Autoren angeschafft hat. Anscheinend wurde die Bibliothek jetzt aufgelöst – eine ganze Wagenladung landete in Jeeser. Eins davon für mich.

Kultur für die werktätigen Menschen war so ein Slogan aus der Ulbrichtszeit. Manches mecklenburgische oder sächsische Dorf hat von daher noch ein „Kulturhaus“ stehen. Was sind sie heute, Ruine, Hotel, Spielcasino? Mit der Kultur wird auch der Teilbereich bundesrepublikanische Lyrik der 80er Jahre abgewickelt, vielleicht für immer? Das Buch jedenfalls ergänzt meinen Bestand von Michael Krüger-Bänden.

Nachtrag 18:00 Uhr: Bei einem neuerlichen Besuch fielen mir Stapel mit dem Stempel „Zentralbibliothek Reinberg“ auf. In Eile zog ich 2 Bände an Land: Christoph Meckel: Anzahlung auf ein Glas Wasser (1987) und Lawrence Ferlinghetti: Gedichte (1980), beide Hanser Verlag. Die Provinz entsorgt ihre Kultur. (Ferlinghetti, Weggefährte und Verleger der Beat Poets, wurde im Mai 1995 einmal ausgeliehen, Meckel im Juli 2001. Um dieser beiden willen, wenn es nicht gar ein und dieselbe Person war, können wir keine Ausnahme machen. Tut nichts, die Bücher müssen weg.)

Jeeser: Haus der 100 000 Bücher
Schallplatten, Videos, Comics, CDS, nach Autoren Gebieten sortiert, regensicher, ab 0° geheizt

W i r leisten Hilfen zur Selbsthilfe für Menschen ohne Bleibe alte + junge Menschen ohne Angehörige, ohne Familie, für Gemobbte, Vereinsamte, Erziehungsgeschädigte, unterstützen Psychiatrisierte, Angehörige diskriminierter …

Sonn- + Feiertags nur Tausch + Bücher + Fahrräder für Mithilfe erhältlich, tägl. 10-18 Uhr
Osterhasenpreise
Infotelefon: 038351 536876

Haus der 100 000 Bücher
Bahnhof Jeeser,
18519 Sundhagen

Advertisements

Über lyrikzeitung

Greifswald
Dieser Beitrag wurde unter Nachrichten abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s