Ein Bücher-Krimi in der Kunstscheune Vaschvitz auf Rügen

ARTus-Kolumne  »SO GESEHEN« 590

von Walter G. Goes (Bergen/Rügen)

Ein befreundeter Journalist hat die Szene am 20.9.2012 gegen 21 Uhr auf ein Foto gebannt. Die linke Hand von Frido Mann berührt den von ihm geschriebenen Erstling, den 1985 erschienenen autobiographischen Roman »Professor Parsifal« und ahnt noch nicht, was ihn auf dem so genannten Schmutztitel auf Seite 1 erwartet. Nur Sekunden später wird der Autor das Buch in die Hand nehmen, darin blättern und für einen Moment (synchron mit mir!) die Fassung verlieren. »Aber das Buch gehört doch meinem Sohn. Wie kommen Sie zu diesem Buch?« Ich glaubte nicht richtig gehört zu haben…

Genau vor zwei Jahren erhielt ich den opulenten Band von einem integren Bekannten mit dem Hinweis: »Du wirst es einmal für eine Kolumne nutzen können«. In Ermangelung von Zeit überflog ich damals den mir geschenkten Band, fand aber keinen unmittelbaren Anlass zur Nutzung. Eher betrüblich wertete ich die mit einem Kugelschreiber(!) geschriebene Widmung eines Vaters, der 1985 den Band als Geburtstagsgabe seinem Sohn »Stefan« vermacht hatte. Die Unterschrift war kaum entzifferbar. Auf Frido wäre ich nie gekommen.

Nun aber stand die Lesung mit Frido Mann als kurzfristig anberaumtes kulturelles Ereignis des Jahres an, das wir so gesehen allein der Buchhändlerin Petra Dittrich aus Gingst zu verdanken haben, die namhafte Autoren, weiß der Himmel wie, für ihr Vorleseprogramm zu verpflichten versteht. Mit der Nennung von Frido Mann als Autor und Vorleser torpedierte sie allerdings die Besucherplatzkapazitäten im eigenen Gingster BUCHLADEN.  Sie musste ein Ausweichquartier finden und fand es in der Kunstscheune Vaschvitz. Der Abend war binnen kurzem ausverkauft.

Der Schriftsteller Holger Teschke gab einen blendend präparierten Moderator ab, der Frido Mann einstimmte über sein Nidden auf der Kurischen Nehrung zu reden, zu lesen. Man fühlte sich als Zuhörer schnell verzaubert…

Und plötzlich fiel der Name »Stefan«, der Nidden 1992 besucht hatte und dann, endlich, fiel auch mir der Groschen, was ich da als bibliophilen Schatz in der Hand hielt.

Frido Mann signierte tapfer mein Parsifal-Buch. Wir versprachen uns gegenseitig Aufklärung.

Mich wird der Band an eine Sternstunde der Vorlesekunst erinnern, an einen unvergesslichen Abend der Literatur auf Rügen und immer an Bücher, die mit überraschenden Geschichten aufwarten. ARTus

Frido Mann, der Lieblingsenkel von Thomas Mann, las in Vaschvitz aus seinem Nidden-Buch. Fotobearbeitung: ARTus

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