Illustrierte Literatur von Ruth Knorr

ARTus-Kolumne »SO GESEHEN« Nr. 638 • 7. Dezember 2013

von Walter G. Goes (ARTus) • Bergen auf Rügen

Kurz vor Weihnachten, schaut man sich gern nach guten Büchern um. Nach Büchern, die man zum Fest in liebe Hände schenken kann. In der Hoffnung Freude bereiten zu können, auch über das Lesen hinaus. Ein gut gestaltetes, gut gedrucktes, gut illustriertes Buch als so gesehen Gesamtkunstwerk in die Lesewelt gestellt, nicht unbedingt zu teuer, ist eher selten geworden.

Ich erinnere mich an andere Zeiten, als man mit Neugier auf von Ruth Knorr gestaltete Bücher hoffte.

Mein Lehrer an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, Professor Werner Klemke (1917-1994), war auch ihr Lehrer. Er, beglückt von ihrer Neugier als Studentin, ihren Eigenartigkeiten in Stil und einer unbändigen Arbeitswut, bezeichnete sie in einem Aufsatz als »eine Mischung von Rautendelein und Wandervogel… Wir haben viel und munter hin und her geredet in dieser Zeit. Vor allem, ob es gelänge, mit modernsten Druckverfahren so originalgraphisch zu arbeiten wie mit den klassischen Mitteln: mit Holzschnitt, Kupferstich, Radierung und Lithographie. Originalgraphik im modernen, billigen Massenbuch! Das schwebte uns vor. Ruth Knorr hat wenig mitdiskutiert, aber sie hat genau zugehört. Und so war ganz folgerichtig ihr erstes Buch, ihre Diplomaufgabe, der Spiegel des großen Kaisers von Arnold Zweig, ein Buch mit Lithographien.« Ich fand nach über 20 Jahren noch einige ausrangierte Prodedrucke in der Druckwerkstatt der Kunsthochschule und war von Stund an fasziniert.

Im Laufe ihres kurzen Lebens schuf sie Illustrationen zu 38 Büchern. Mehrfach wurden ihre Bücher mit Preisen ausgezeichnet. Meine Knorr-Sammlung umfasst ein von ihr signiertes Plakat und nur zwölf kostbare Illustrationsbände. Die aber sind ein Schatz, ohne den meine Büchersammlung unvollständig geblieben wäre.

Zu Weihnachten, vielleicht, gönne ich mir antiquarisch ein neues, nie alterndes Knorr-Buch. ARTus

Vor 35 Jahren starb mit nur 51 Jahren eine der eigenwilligsten Illustratorinnen Deutschlands, Ruth Knorr (1927-1978).

Vor 35 Jahren starb mit nur 51 Jahren eine der eigenwilligsten Illustratorinnen Deutschlands, Ruth Knorr (1927-1978).

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