Anagrammwettbewerb

Der Förderverein Sibylla Schwarz lädt alle jungen und alten Greifswalder und Gäste zu einem Preisausschreiben ein – einem Anagrammwettbewerb.

Anagramm nannten die Griechen die alte Kunst, die Buchstaben eines Namens oder eines Verses so zu „versetzen“, daß ein anderer Name oder Text daraus entsteht. Probiert es mit Autonamen. Aus „Opel“ kann man „Pole“ machen, aus Volkswagen? Wog Sklaven. Oder Namen. Angela Merkel ergibt „Karamel-Engel“.

Als die Gedichte der 17jährigen Greifswalder Dichterin Sibylla Schwarz gedruckt werden sollten, wollte sie nicht, daß es unter ihrem wahren Namen geschieht. Also suchte man (vielleicht sie selber) ein Anagramm. Aus

Gedichte von Sibyllen Schwartzerin von Greifswalden

wurde

Gedichte von Sibylla Wachsesternin von Wildesfragen. Wachse-Sternin, heute würde man vielleicht Shooting star sagen, ein aufgehender Stern am Schlagerhimmel.

Beim Namen bleiben paar Buchstaben übrig (rz), bei Greifswalden ergibt sich genau Wildesfragen. Manchmal ist ein bißchen Mogeln erlaubt. Wildesfragen ist ein großartiges Anagramm, darauf muß man, im 17. Jahrhundert und in Greifswald(!), erst mal kommen!

Früher schrieb man häufig Glückwunschgedichte zu Geburtstagen oder Hochzeitsfeiern. Dabei nutzte man gern den Namen der Person, die gefeiert wurde, um daraus die Idee für ein Gedicht abzulesen, vielleicht sogar eine Vorhersage. Sibylla Schwarz schrieb mit 15 oder 16 Jahren ein Gedicht zur Hochzeit einer adligen Dame namens Elisabeth von Stetten. Sie schüttelte die Buchstaben solange, bis sie daraus die Worte „Ohe, las(s)t uns ins Bette“ formte. Sie war ein kluges und sprachbegabtes Kind. Als das Gedicht zur Hochzeitsfeier vorgetragen wurde, werden die Erwachsenen sehr gelacht haben.

Eine große Anagrammkünstlerin im 20. Jahrhundert war Unica Zürn. Sie schrieb einmal ein Anagrammgedicht über die Zeile „Ich weiß nicht, wie man die Liebe macht“. Heraus kam ein schönes und zartes Liebesgedicht, nicht ohne eine Beimischung von Bitterkeit.

»ich weiß nicht, wie man die liebe macht«

wie ich weiß, »macht« man die liebe nicht.
sie weint bei einem wachslicht im dach.
ach, sie waechst im lichten, im winde bei
nacht. sie wacht im weichen bilde, im eis
des niemals, im bitten: wache, wie ich. ich
weiss, wie ich macht man die liebe nicht.«

(1959)

Es gibt verschiedene Techniken beim Buchstabenschütteln. Unica Zürn machte alles mit der Hand und strich die Buchstaben durch, die sie schon benutzt hatte. Je weniger übrig sind, umso schwieriger wird es. In diesem Gedicht über die Liebe benutzt sie eine andere Variante des Vertauschens, indem in 3 Zeilen die gleichen Wörter in anderer Reihenfolge benutzt werden:

»ich weiß nicht, wie man die liebe macht«

wie ich weiß, »macht« man die liebe nicht.

(ich)
weiss, wie ich macht man die liebe nicht.

Das kann man also auch machen. Oder man schreibt ein Gedicht, in dem nur Wörter vorkommen, die sich aus den Buchstaben des Ausgangstexts zusammensetzen, die aber beliebig oft wiederholt werden. Natürlich kann man auch eins oder mehrere der im Internet vorhandenen „Anagrammgeneratoren“ nutzen.

Der Freundeskreis Sibylla Schwarz ruft große und kleine Sprachspieler zu einem Preisausschreiben auf. Schreibt Gedichte oder vielleicht einen Brief aus den Buchstaben dieser Strophe der Greifswalder Dichterin Sibylla Schwarz, die 1638  im Alter von nur  17 Jahren starb. Erst 12 Jahre nach ihrem Tod wurden ihre Gedichte gedruckt. Heute ist sie berühmt, erstens weil nicht viele Menschen in so jungen Jahren so gut dichten können und zum andern weil damals nur wenige Frauen Gedichte verschrieben. Dichten war damals noch ein fast reiner Männerberuf. Zeigt uns, wie Greifswalder heute ticken und dichten. Schreibt ein Anagrammgedicht auf diese Strophe von Sibylla Schwarz:

DIe Lieb ist blind / und gleichwohl kan sie sehen /
hat ein Gesicht / und ist doch stahrenblind /
sie nennt sich groß / und ist ein kleines Kind /
ist wohl zu Fuß / und kan dannoch nicht gehen.

Die besten Einsendungen erhalten wertvolle Preise. Schickt uns eure Texte an die Adresse:

(folgt in Kürze)

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Greifswald
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