Befreiung der Seele

Die bislang einzige russischsprachige Fundstelle des Namens Sibylla Schwarz (Сибилла Шварц) bei Google stammt von der russischen Übersetzung irgendeiner Seelenlehre. Wie auch immer. Unter der Überschrift „Die Befreiung der Seele“ gibt es dort chronologisch geordnete Listen von Ereignissen und Persönlichkeiten, die nach Meinung des Verfassers zur Befreiung der Seele beigetragen haben, beginnend mit dem Übergang der ersten Lebewesen aus dem Wasser aufs Festland vor etwa 15 Millionen Jahren, sodann aufrechter Gang, Feuer, der Sintflut 7500 Jahre vor der Zeitrechnung usw. Die ersten namentlich gelisteten Menschen sind der Pharao Menes und der Pyramidenbaumeister Imhotep. Zwischen 1600 und 1625 folgende Personen:

  • 1601 Baltasar Gracián (Schriftsteller, Philosoph)
  • 1602 Otto von Guericke (Politiker,Physiker, Erfinder)
  • 1602 Amalie Elisabetha von Hessen-Kassel (Regentin, wirkte am Dreißigjährigen Krieg und Westfälischen Frieden mit)
  • 1603 Amalia zu Solms-Braunfels (Gräfin, Regentin, Mäzenatin)
  • 1603 Marie Colinet (Hebamme und Wundärztin)
  • 1604 Jakob Balde (Dichter)
  • 1606 Jan Davidsz. de Heem (Maler)
  • 1608 Giovanni Alfonso Borelli (Physiker, Mathematiker, Astronom, Arzt usw.)
  • 1608 Evangelista Torricelli (Physiker, Mathematiker)
  • 1608 John Milton (Dichter, Philosoph)
  • 1609 Pierre-Paul Riquet (Ingenieur, Erbauer des Kanals von Toulouse zum Mittelmeer)
  • 1610 Hans Hautsch (Schmied, soll den ersten selbstfahrenden Wagen gebaut haben)
  • 1610 Maria Cunitz (Astronomin)
  • 1611 Nicolaus von Avancini (Dichter, Dramatiker)
  • 1613 Sophie Elisabeth, Herzogin zu Mecklenburg (mischte in der Landespolitik mit, leitete das Wolfenbütteler Hoftheater)
  • 1613 François VI. de La Rochefoucauld (Moralist)
  • 1613 Philipp Ludwig Freiherr von Reiffenberg (Kleriker, Ritter)
  • 1616 Nicholas Culpeper (Arzt, Botaniker)
  • 1618 Francesco Maria Grimaldi (Mathematiker)
  • 1618 Henry Oldenburg (Philosoph, unterhielt wissenschaftliche Kontakte nach ganz Europa, erfand die peer review)
  • 1621 Sibylla Schwarz (Dichterin, behandelte Themen wie Freundschaft, Liebe, Krieg und Tod)
  • 1623 Blaise Pascal (Physiker, Dichter, Philosoph, beschäftigte sich mit Vakuum, Luftdruck, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Hydrostatik, erfand das Pascalsche Dreieck, die vollständige Induktion und eine mechanische Rechenmaschine)
  • 1624 Thomas Sydenham (Arzt)
  • 1624 Père Lachaise (Jesuit, Physiker, setzte die Unabhängigkeit der französischen Kirche vom Papst durch)
  • 1624 Angelus Silesius (Dichter, Philosoph)
  • 1624 George Fox (einer der Gründer der Quäker)
  • 1625 Arnoldus Montanus (Theologe, Philosoph)

(die nächste ist Hendrikje Stoffels, die Rembrandt nach dem Bankrott das Weiterarbeiten ermöglichte)

Keine schlechte Liste!

Bildschirmfoto 2016-05-29 um 18.37.41

Veröffentlicht unter Nachrichten | Verschlagwortet mit | Kommentar hinterlassen

Es dichtet

Im Falladahaus in Greifswald, Steinstraße 59, steht Hans Falladas alias Rudolf Ditzens Gefängnistür (geborgen Mitte der 90er Jahre, als das Gefängnis in der Domstraße abgerissen wurde). Vorne im Gericht war Vater Ditzen Richter, hinten im Knast saß sein Sohn ein paar Wochen ein wegen Unterschlagung (Beschaffungskriminalität). Zum Glück Jahre später, er versuchte es vor dem Vater geheimzuhalten.

FullSizeRender 3

Zellentür

Seit Jahren fotografiere ich fast jede Woche die eiserne Gefängnistür, auf der ein paar hundert Worte kleben, von Frau und Herrn Anonymus jeweils neu arrangiert. Ein paar Schnipsel aus dem Zustand von heute.

Bildschirmfoto 2016-05-24 um 15.30.53

Bildschirmfoto 2016-05-24 um 15.32.29

Bildschirmfoto 2016-05-24 um 15.34.16 Bildschirmfoto 2016-05-24 um 15.33.54

träumnett

Bildschirmfoto 2016-05-24 um 15.33.36

zauberschnee Bildschirmfoto 2016-05-24 um 15.32.52
Bildschirmfoto 2016-05-24 um 15.32.00 Bildschirmfoto 2016-05-24 um 15.31.15
Bildschirmfoto 2016-05-24 um 15.30.37 Bildschirmfoto 2016-05-24 um 15.30.05

flüstermir hablust
brustsing annakann

Veröffentlicht unter Bilder, Nachrichten, Texte | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Thomas Hettche erhält Wolfgang-Koeppen-Preis 2016

Der Wolfgang-Koeppen-Literaturpreis 2016 der Universitäts- und Hansestadt Greifswald wird in diesem Jahr dem Schriftsteller Thomas Hettche verliehen. Vorgeschlagen wurde er  von Karl-Heinz Ott, dem Preisträger des Jahres 2014. Die festliche Preisverleihung findet am 23. Juni 2016, dem Geburtstag Wolfgang Koeppens, um 18.00 Uhr im Geburtshaus des Schriftstellers und Greifswalder Ehrenbürgers, im Literaturzentrum Vorpommern, Bahnhofstraße 4 – 5, statt. Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder wird den Preis überreichen. Die Laudatio hält Karl-Heinz Ott. Zu Hettches jüngsten Werken gehört der Roman „Pfaueninsel“, erschienen 2014 im Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.

Karl-Heinz Ott begründet seinen Vorschlag mit den Worten:

„Thomas Hettches Werk lebt von der poetischen Prosa, die ganz und gar der Gegenwart verpflichtet ist, auch und gerade dort, wo Surreales und Märchenhaftes den Erzählton prägen. Mit Koeppen verbinden ihn eine stilistische Finesse und eine Imaginationskraft, wie sie in der deutschsprachigen Gesellschaft selten geworden sind. Und es spielen bei ihm, wie bei Koeppen Episches und Essayistisches, Geistesgeschichtliches und Gegenwärtiges stets ineinander. Hettche führt mit seinem Werk vor, dass Entzauberung und Zauber keine Gegensätze sein müssen.“

Die Universitäts- und Hansestadt Greifswald verleiht den mit 5.000 Euro dotierte Wolfgang-Koeppen-Preis seit 1998 alle 2 Jahre. Mit ihm wird ein literarisches Wirken gewürdigt, das in ähnlicher Weise wie das Werk Wolfgang Koeppens dem unvollendeten Projekt der literarischen Moderne verbunden, seiner Zeitgenossenschaft eingedenk bleibt und nicht zuletzt in seiner sozialen Sensibilität dem Werk Koeppens vergleichbar ist. Der jeweils letzte Preisträger schlägt den neuen vor. Bisherige Preisträger waren Richard Anders (1998), Thomas Lehr (2000), Susanne Riedel (2002), Ludwig Fels (2004), Bartholomäus Grill (2006), Sibylle Berg (2008), Joachim Lottmann (2010), Anna Katharina Hahn (2012) und Karl-Heinz Ott (2014).

Zur Person des Preisträgers Thomas Hettche

Thomas Hettche, 1964 in dem Dorf Treis am Rand des Vogelsbergs geboren, studierte Germanistik, Philosophie und Filmwissenschaft in Frankfurt am Main und lebt, nach Aufenthalten u.a. in Krakau, Venedig, Rom und Los Angeles, heute als freier Schriftsteller in Berlin und in der Schweiz. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und des Deutschen PEN.

Sein Werk

Hettche debütierte 1989 mit dem Roman »Ludwig muß sterben«, der als Geniestreich gefeiert wurde. Seitdem erschienen zahlreiche Romane und Essaybände, zuletzt 2014 »Pfaueninsel«. Die anrührende Geschichte von dem kleinwüchsigen Schloßfräulein Maria Dorothea Strakon, die von 1810 bis 1880 auf der Pfaueninsel in der Havel vor den Toren Berlins lebte, stand auf der Short-List zum Deutschen Buchpreis. Thomas Hettche wurde zahlreich ausgezeichnet, zuletzt mit dem Wilhelm-Raabe-Preis, dem Bayerischen Buchpreis, dem Düsseldorfer und dem Solothurner Literaturpreis.“

Veröffentlicht unter Nachrichten | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Sibylla-Schwarz-Haus: Eigentum ist heilig (und verpflichtet zu nichts)

„Weil sich am Zustand des prominent am Fischmarkt gelegenen Gebäudes trotz Gesprächen und Aufforderungen nichts änderte, beschloss das Stadtparlament Ende Juni 2015 ein Enteignungsverfahren. Wie Bausenator Jörg Hochheim (CDU) informierte, gibt es einen Hauptgrund für die Skepsis der Enteigungsbehörde: Schwerin glaubt nicht, dass das Interesse der Allgemeinheit an einem schönen Stadtbild schwerer wiege als das vom Grundgesetz geschützte Eigentum. Das Innenministerium regt stattdessen an, ein laut Baugesetzbuch und Denkmalschutzgesetz mögliches Modernisierungs- und Instandsetzungsgebot auszusprechen.“ Ostsee-Zeitung, Greifswald, 13.4., S. 9

Hintergrund: Das Geburtshaus der Dichterin Sibylla Schwarz (1621-1638), abgesehen von den Kirchen eins von wenigen Überresten der mittelalterlichen Stadtgeschichte – die Familie Schwarz  war ein Greifswalder Patriziergeschlecht, das über Jahrhunderte Ratsherren, Geistliche und Professoren hervorbrachte – wurde vor 2 Jahrzehnten von einem privaten „Investor“ gekauft, der es seitdem vor sich hin gammeln läßt.

Patrizierhaus, Greifswald style

Patrizierhaus, Greifswald style (Tafel und Graffiti sind illegale Zusätze und somit von Amts wegen strafbar)

IMG_8691

Veröffentlicht unter Nachrichten | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Verlegerlegende liest zur Eröffnung der Fallada-Ausstellung

Elmar Faber  wird am 24. November um 20. 00 Uhr im Falladahaus aus seiner Autobiographie „Verloren im Paradies“ lesen. Der Autor war langjähriger Verleger des Aufbau Verlages, der in diesem Jahr sein 70jäühriges Jubiläum feiert. 1945 gegründet, um den Belangen des Kulturbunds „zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ nachzukommen, entwickelte sich Aufbau in der DDR zum Auffangbecken für zurückkehrende Emigranten. Der Verlag veröffentlichte Bücher von Brecht, Seghers und Johannes R. Becher, dem ersten Kulturbundpräsidenten, von Hans Fallada, Gerhart Hauptmann, Ernst Niekisch. Aufbau machte sich mit wohledierten Klassikerausgaben einen Namen, verlegte Titel aus dem Westen, aber auch Regimekritisches aus der DDR, von Irmtraud Morgner und Heiner Müller, von Christoph Hein und Christa Wolf, Bert Papenfuß oder Peter Brasch. Faber kommt das Verdienst zu, in kulturpolitisch stürmischen DDR-Zeiten so manchen kritischen Gegenwartsautor, den er oft persönlich kannte, gegen den Willen der Politobrigkeit durchsetzen zu helfen. Auf welchen verschlungenen Wegen dies geschah, wie man einen Staatsverlag leitete, dass nach einer Weile vom „Suhrkamp des Ostens“ die Rede war, davon erzählt Faber in seinem Buch. Vor Beginn der Lesung wird um 19.30 Uhr die Fallada-Ausstellung „Hans Fallada – Familienbilder. Wie aber bestehe ich vor Dir, sehr liebe Verwandtschaft –?!“ eröffnet. Umfangreiche Recherchen in Archiven und Sammlungen Deutschlands förderten Details von Lebensläufen der Familienmitglieder zu Tage und schaffen, auf 16 biografischen Tafeln und sechs Thementafeln mit Hilfe von 248 Fotos und Dokumenten, das individuelle Porträt einer bürgerlichen Familie von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 2. Weltkrieges. Den Kristallisationspunkt der Darstellung bilden der Schriftsteller Hans Fallada, der sich als „ein Glied in einer unendlichen Kette“ empfand, seine Briefe und sein literarisches Werk. Ein beeindruckender Familien-Stammbaum ergänzt die Schau.

Veröffentlicht unter Nachrichten | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Master of Slam in Greifswald

Nach dem Auftakt im vergangenen Jahr in Rostock ging der „Master of Slam“ am 10. November 2015 in Greifswald in seine zweite Runde. Dazu waren Studierende aus MV (und bundesweit) aufgerufen, selbst verfasste literarische Texte einzureichen. Neben der Publikumsjury gab es eine Fachjury, der die Schauspielerin Katja Klemt, der Verleger Erik Münnich und der Literaturwissenschaftler Michael Gratz angehörten. Das Publikum entschied sich per Applaus für Diego Hagen aus Rostock, der sich damit „Master of Slam 2015“ nennen (und sich eines Ballonflugs erfreuen) darf. Da er in Rostock studiert, wird der nächste Wettbewerb wieder in Rostock ausgetragen. Die Jury wählte Bjoern Katzur aus Kiel aus, der ein einwöchiges Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop bekommt. Außerdem wird ein dritter Preis per Facebook-Voting vergeben. Wer mitmachen will, findet die Videos des Greifswalder Auftritts aller 9 Bewerber in den nächsten Tagen hier.

Veröffentlicht unter Nachrichten | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

„Der Trinker“ als Graphic Novel

„Der Trinker“ ist der persönlichste Roman von Hans Fallada. Der Berliner Schriftsteller schrieb ihn 1944 heimlich im Gefängnis in Neustrelitz, nachdem er im Rausch auf seine Exfrau geschossen hatte. Im Buch beschreibt er realistisch und packend die Stationen und Verwerfungen einer Alkoholsucht. Ein bildgewaltiger, autobiografischer Stoff.

Der preisgekrönte Berliner Grafiker Jakob Hinrichs erzählt jetzt die Geschichte des Romans und die Geschichte des selbst alkoholabhängigen Autors in einer wunderbaren Graphic Novel. Der aktuelle Fallada-Boom bescherte ihm den Auftrag. / Petra Dorrmann, NDR

Leseprobe aus der Graphic Novel von Jakob Hinrichs. Download (1 MB)

Veröffentlicht unter Nachrichten | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen