Am 2. Februar wieder: Donnerstag im Fallada

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts brachte der Stralsunder Bürgermeister Bartholomäus Sastrow im hohen Alter Erinnerungen zu Papier, um seinen Kindern sowie einer breiteren Öffentlichkeit ein Bild vom Auf und Ab seines bewegten Lebens zu vermitteln. Es dauerte fast zweieinhalb Jahrhunderte, ehe die Aufzeichnungen in Sastrows Geburtsstadt Greifswald 1823 das Licht der literarischen Welt erblickten. In der Folgezeit fanden die Selbstdarstellung und ihr Verfasser wiederholt reges Interesse.

Auf Grundlage der Erstausgabe hat der Greifswalder Germanist Horst Langer im Thomas Helms Verlag Schwerin (www.thv.de) unter dem Titel “Denkwürdige Geschichten aus meinem Leben” eine sprachlich behutsam modernisierte Textfassung der ebenso informativen wie kurzweiligen Autobiographie herausgegeben. Sie soll helfen, heutigen Lesern den Zugang zu einem literarischen Kleinod der frühen Neuzeit zu erleichtern.

Neben der Schilderung zahlreicher persönlicher, teils ernsthafter, teils auch kurioser Erlebnisse und Begegnungen enthalten die Aufzeichnungen interessante Nachrichten über politische, soziale sowie religionsgeschichtliche Ereignisse und Entwicklungen, deren Beteiligter respektive Augenzeuge der Chronist war. Da er sich in beruflichem Auftrag häufig auf Reisen befand, beschränken sich Sastrows Reflexionen nicht auf seine pommersche Heimat, dennoch nimmt diese in den Erinnerungen einen herausragenden Platz ein. Als eindrucksvolles Sittengemälde aus dem 16. Jahrhundert tritt das Werk vergleichbaren Darstellungen so bekannter Zeitgenossen wie Albrecht Dürer oder Götz von Berlichingen ebenbürtig an die Seite. Wiederholt erweist sich die Sicht des Altvorderen auf die Welt und den Menschen als erstaunlich “modern”.

Das Buch besitzt einen festen Einband. Es umfasst 183 Seiten und kostet 19.80 EURO. Zu beziehen ist es über alle Buchhandlungen sowie über den Verlag. Die ISBN lautet: 978-3-940207-63-0.

In unserer Reihe „Donnerstag im Fallada“ stellt der Herausgeber das Buch im Falladahaus vor.

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Paperblog :Die besten Artikel aus Blogs

Wie der Anclamer seine Reisen erzählen thut (7)

Weiter geht die Reise:

Westphalen in den Paderborn
Sah’ch ein wüthig großes Eichenhorn
Das lief im schnellen Lauf
Einen Baum hinauf
Kam aber nicht wieder herunter
Nicht herunter. 

(Fortsetzung und Quellenangabe folgt)

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Berührungen

ARTus-Kolumne »So gesehen« Nr.555

Man sollte sich wieder erinnern, dass Kunst einen Zauber mit einfachsten Mitteln verbreiten kann.

Mit dem Wort, das in wenigen Sätzen eine ungeahnte Skala von Empfindungen ausschüttet, das erschüttert oder beglückt, das uns so gesehen innehalten lässt.

Mit dem weichen Graphitstift als Sondeur, der behutsam, zärtlich Fundobjekte abtastet, sich vortastet, um Geschichte noch in kleinsten Zeugnissen aufzunehmen und zu spiegeln. Mit Foto-Dokumentationen, die Ursprüngliches ausweisen und Spurensuche betreiben. Mit Offenbarungen, die sich aus der Originalität ausgewählter, erwählter Objekte ergeben, die sich als Strandgut des Lebens finden lassen. Man muss ihnen nur mit Aufmerksamkeit und wachen Sinnen begegnen wollen.

Kunst, so Hugo von Hoffmannsthal (1874–1929), einer der wichtigsten Repräsentanten der Wiener Moderne, hat etwas mit Denken, Träumen und Dichtung zu tun. Wer wollte das beim Anschauen der am Sonnabend zu eröffnenden Ausstellung in der Orangerie Putbus bestreiten. Karla Sachse, die auf dem Gebiet der Visuellen Poesie seit den 80er Jahren immer wieder durch unkonventionelle Beiträge aufmerken ließ, arbeitet interdisziplinär, baut Brücken zwischen den Genres, stellt originell zusammen, was das vielschichtige Leben in all seiner Individualität und so gesehen Kostbarkeit auszeichnet.

Unter dem Titel »Berührungen« werden unvoreingenommene, aufgeschlossene Betrachter Zeuge eines unter die Haut gehenden Fall-Beispiels. So also kann man Leben auch in Szene setzen, der Individualität würdig und nachvollziehbar Raum geben, das Bild einer Freundschaft zeichnen!

Bis in feinste Verästelungen hinein wird in dieser von der KulturStiftung Rügen und der Galerie des Landkreises geförderten, von der Künstlerin weitgehend selbst kuratierten Ausstellung den Auf- und Abbrüchen eines Lebensschicksals nachgegangen. In einzelnen Kabinetträumen ist man versucht den Atem anzuhalten, so fragil, so unmittelbar weht den Betrachter Lebensgeschichte an. Eine Lebensgeschichte als Hommage, die das Kürzel U.B. nachdrücklich ausfüllt und die für unvergessliche Momente zum Leben erweckt wird.

Karla Sachse will auf die ihr eigene poetische Art und Weise Zeugnis ablegen und fragt sich, fragt uns: »Wie tief kann ein Blick in das Sein eines anderen Menschen dringen? … Wie wird aus verschiedenen Blick-Winkeln ein Lebens-Bild?«

Die Antwort liefert diese Ausstellung, in der man sich noch bis in den März hinein beglückt und ohne Verlust verlieren kann, in der man Tiefe und Demut dem einzigartigen Leben gegenüber gewinnen kann. K.S. sei Dank! ARTus

Die Berliner Künstlerin Karla Sachse, *1950, richtet die erste Ausstellung der KulturStiftung Rügen des Jahres 2012 in der Orangerie Putbus aus. Zeichnung: ARTus

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Modernisierung

3 Fragen in einem Satz von Norbert Hummelt:

Nicht jedoch, ohne uns zuvor beim Bäcker zu versorgen, wodurch wir Zeugen eines Wortwechsels werden, der belegt, dass die Modernisierung der Lebenswelt in den kleinen Orten Brandenburgs noch nicht jeden erreicht hat: «Die Pommern-Brötchen haben Sie doch eingepackt?» – «Die heissen Power-Brötchen.» / Neue Zürcher Zeitung

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Literaturzeitschriften im Koeppenhaus

Vorstellung und Gespräche mit Jan Valk (Berlin), Mathias Zeiske (Leipzig) und Michael Gratz (Greifswald)

Wenn sich neue literarische Schreibweisen, Projekte oder Gruppen bilden, geschieht dies häufig zunächst in Literaturzeitschriften. Zugleich sind Literaturzeitschriften immer noch und immer wieder ein wichtiger Ort für Diskussionen über Gegenwartsliteratur. Zwei der interessantesten Literaturzeitschriften der letzten Jahre kommen an diesem Abend zusammen: Jan Valk stellt „sprachgebunden. Zeitschrift für Text + Bild“ vor, Mathias Zeiske „Edit. Papier für neue Texte“. Außerdem stellt Dr. Michael Gratz die Netzpublikation „Lyrikzeitung & Poetry News“ vor.

Moderation: Eckhard Schumacher, Professor für Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie an der Universität Greifswald.

Gespräch | Mittwoch 25.01.2012 | 20 Uhr | Eintritt 5 & 3 Euro | Koeppenhaus

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LOITZER MINIATUREN

MARTINA STEIN

Ausstellung im Kunstverein Loitz e.V., Lange Reihe 37, 17121 Loitz

Vom 21. 1. 2012 – 11. 3. 2012 wird die junge Kieler Künstlerin Martina Stein die traditionelle Loitzer Pommernstube im ehemaligen Loitzer Schützenhaus in eine Sternenkartographie unzähliger kleiner Photographien von Loitzer Motiven verwandeln.

Diese Miniaturen zeigen Häuser, Straßen, Menschen, Bäume, Wiesen, Schaufenster, die Peene, die Brücke, Plätze, Fabriken, Tapeten, Sperrmüll, Fenster, Möbel und viele andere Loitzer Motive in vielfältigen Aspekten.

In (fast) regelmäßigen Abständen auf die Wände und die Decke der Pommerstube montiert, entwickeln diese kleinen Loitzer Bilder einen Kosmos Loitzer Erinnerung.

Die Künstlerin interessiert sich für das Verhältnis des Einzelnen zur Masse und umgekehrt, die formale Spannung und interagierende Schwingung zwischen beiden Positionen.

Der Betrachter erlebt so bei dem Durchschreiten und dem Umhersehen zwischen den Wänden und der Decke einzelne Erinnerungen an Loitzer Orte und Menschen, die sich aber in einem permanenten Reigen miteinander verbinden und auflösen, wodurch eine pulsierende Dynamik der Pommernstube erreicht wird.

Martina Stein hat seit 2007 verschiedene Projekte in Loitz realisiert, die weit überregionale Aufmerksamkeit erreichten, wie zum Beispiel die Installation Langestraße 47 ( 2007), Ratteninsel ( 2008), Vorhanghaus Peenestraße 28 ( 2009), Reiterhof ( 2010).

Die Künstlerin ist auch dadurch sehr mit Loitz verbunden, indem sie ein Kunst-Praktikum an der Loitzer Regionalschule strukturierte und sich in hohem Maße für den Kunstverein Loitz von Anfang an engagiert.

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EISZEIT

Es ist kalt, still und geruchlos. Verhaltenes Licht.
Eine Phase im Winter gehört dem Schnee und Eis.

EISZEIT – MALEREI UND PLASTIK VON KATHRIN MÜLLER

Vita:

Kathrin Müller wurde 1978 in Greifswald geboren und absolvierte nach ihrem Schulabschluss von 1995 bis 1998 eine Ausbildung zur Keramikerin bei Astrid Dannegger in Usedom. 2001 holte sie das Abitur nach und studierte von 2002 bis 2011 Kunstpädagogik und Philosophie an der Universität Greifswald. Sie ist Mitglied im Künstlerbund MV und arbeitet derzeitig freischaffend als Keramikerin, Malerin und Kunstpädagogin.

Künstlerische Arbeit:

Kathrin Müller arbeitet abwechselnd malerisch und plastisch. Sie malt bevorzugt mit Acrylfarben auf Papier oder Leinwand. Thematische Schwerpunkte sind dabei Räume und Landschaften. In der Plastik arbeitet sie hauptsächlich mit Ton. Thematisch setzt sie sich hier in erster Linie mit Naturformen auseinander. Die dabei entstehenden keramischen Plastiken bezeichnet sie als Objekte oder Gefäßobjekte, weil sie die Dinge als Gefäße auffasst. Auch werden mehrere Plastiken gruppiert und so neue Sinnzusammenhänge hergestellt.

Bisherige Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen:

2004Pleinair Hiddensee, Malerei, CDFI- Greifswald

2007Malerei und Plastik, Kirche Rosenow

2008Unter mir, Malerei und Plastik, CDFI- Greifswald

2009Innen und Außen. Plastik und Photographie, CDFI-

Greifswald

2011Neue Mitglieder, Malerei und Plastik, Schwerin

Bild und Raum-Vier Künstlerinnen, St. Spiritus, Greifswald

Malerei und Plastik, Berliner Zimmer, Greifswald

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Wie der Anclamer seine Reisen erzählen thut (6)

Weiter geht die Reise:

Hamburg an der Elbige
War ich gar nicht mehr derselbige
Da spazirte ich
Auf dem Jumfernstieg
Mit meinem neuen Hemdekragen
Hemdekragen.

(Fortsetzung und Quellenangabe folgt – vielleicht mag auch jemand eine weitere Strophe dazudichten?)

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Mit V.P. ins neue Jahr

ARTus-Kolumne »So gesehen« Nr.551

Gering geschätzt habe ich sie nie, die kleinen originalgrafischen, mitunter auch unikaten Bild-Grüße, die mir zum Ende eines jeden Jahres bzw. zu Beginn des neuen Jahres den Postkasten füllen. Nun, als sich beständig erweiternder Schatz von Jahrzehnten, behüte ich sie in einem dicken Ordner.

Unter den Karten fallen einige ihrer wundersamen Sprache wegen aus dem Rahmen. Neben Bild-Schöpfungen von Dieter Goltzsche, Joachim John, Harald Metzkes, Klaus Staeck, Thomas Ranft und Manfred Butzmann gehören Arbeiten von Volker Pfüller, der sich abkürzend V.P. nennt, unbedingt dazu. Ich habe nicht nur ihre Neujahrskarten mehrfach auf Rügen ausstellen können. Das Plakat »Künstlerische Neujahrsgrüße« der Orangerie Putbus vom Januar 1998 warb mit einer Arbeit des grandiosen Grafikfabulierers Volker Pfüller aus den frühen 80er Jahren!

Ein Freund von ihm, mein Lehrer und Anreger Hans-Joachim Schauß (*1933), brachte im Jahr 2003 das wohl schönste deutschsprachige Buch zum Thema unter dem Titel »Pünktliche Pointen« im Leipziger Verlag Faber und Faber heraus. Leider nur für 285 Subskribenten und den 77 im Buch mit 333 Bildbeispielen vertretenen Künstlern. Eine einzigartige bibliophile Rarität!

Pfüllers im Pointen-Buch komplett und hier zu einem guten Drittel abgebildete Karte auf das Jahr 1990 (gestaltet hat es der Künstler im historisch bedeutsamen Jahr 1989!) besitze ich im Original. Sie zeigt einen verblendeten Reiter beim Sprung über den Graben, hin ins Grün der sich so verheißungsvoll auflichtenden deutschen Wende-Geschichte. Im Parforceritt »Vorwärts!« heißt die weiß ausgesparte Losung auf dem tapfer in der Hand gehaltenen roten Banner. Aber ist sie auch die Lösung der anstehenden Probleme, so ohne Ross und Bodenhaftung, sprich Realitätsbezug?

Hat V.P. da die überbordende Phantastik gewisser Politiker, ihre all zu sonnigen Aussichten auf die Zukunft karikiert, so gesehen vorausgesehen?

Der Künstler als Seismograph seiner Zeit, der feinsinnige Befindlichkeiten auslotet!

Volker Pfüller hat mir im Dezember 2011 eine schöne Widmung in mein Pointenbuch geschrieben, in dem er als unbestrittener Souverän mit allein 30 Arbeiten vertreten ist.

Nun warte ich gespannt auf seine neue Bild-Metapher, auf ein wie immer aufhebenswertes Zeichen.

ARTus

Der Grafiker Volker Pfüller, geboren 1939, gilt als einer der anregendsten Bühnen- und Kostümbildner, Plakat- und Buchgestalter. Zeichnung/Montage: ARTus

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Copernicus oder Kopernikus

Der aktuelle Stand der Forschung ist auch in polnischen Fachpublikationen präzise und objektiv beschrieben, in populären Darstellungen aber nicht einmal angedeutet. Entsprechend klar fiel die Umfrage des staatlichen Senders TVP über die ‘größten Polen der Geschichte’ aus: Nach dem Papst Johannes Paul II. belegte Kopernik den zweiten Platz. Unter demselben Gesichtspunkt wird er auch in fast allen Schulbüchern behandelt, ungeachtet der Tatsache, dass die deutsch-polnische Schulbuchkommission eine differenzierte Darstellung empfiehlt.

Doch ist dies ja längst nicht der einzige Streitpunkt, in dem die Empfehlungen der Kommission ignoriert werden. Deren langjähriger stellvertretender Vorsitzender, der Stettiner Historiker Jan Maria Piskorski, beschrieb einmal das Dilemma angesichts der emotionsgeladenen historischen Debatten: Es gebe in Polen zahlreiche Experten, die die Dinge differenziert betrachten, aber ‘die Reaktion der breiten Öffentlichkeit, die wir oft infantil finden, fürchten’. Dass auch ein Großteil der Warschauer Elite im Fall Kopernikus von einer ‘europäischen Sicht’ entfernt ist, wie es in Berlin gern formuliert wird, stellte nun der Vorsitzende der Kommission der Akademie der Wissenschaften für kosmische Forschungen, Piotr Wolanski, klar. Nach seinen Worten vergrößert die Version ‘Copernicus’ die Chance, dem Ruf der polnischen Wissenschaft ‘in der Welt Geltung zu verschaffen’. Wie sich dies aus einem lateinischen Namen ergeben soll, erklärte er nicht. / THOMAS URBAN, Süddeutsche Zeitung 3.1.

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