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Bestenliste

Platz 8. ex aequo der ORF-Bestenliste Juli: Hans Fallada (8 Punkte) NEU

„Kleiner Mann – was nun?“, Aufbau

Mehr als 80 Jahren nach Veröffentlichung von Hans Falladas Erfolgsroman „Kleiner Mann – was nun?“ erscheint jetzt im Aufbau Verlag zum ersten Mal die ungekürzte Originalversion. Da der Roman 1932 kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten veröffentlicht wurde, musste bereits zwei Jahre später eine redigierte Fassung erscheinen, weitere Kürzungen folgten nach dem Krieg in den 50-er Jahren. So durfte beispielsweise eine schlagfreudige Nebenfigur ab 1935 kein Nazi mehr sein und auch das Buchcover von George Grosz wurde durch eine Illustration ersetzt, die vom Arbeitslosenschicksal nichts erahnen ließ. Und dennoch wurde der Roman auf Anhieb ein großer Erfolg. „Dies ist so rührend, so lustig in seiner bitteren Lebenswahrheit, dass ihm der Erfolg nur so zufliegen müsste“ schwärmte einst Thomas Mann über das Buch. Mitten in der Wirtschaftskrise erzählt Fallada vom sympathischen jungen Paar Johannes Pinneberg und seiner Frau Emma, genannt Lämmchen, und ihrem Kampf ums nackte finanzielle Überleben. Das traf den Nerv der Zeit. In seiner Originalfassung ist das Buch jetzt noch konkreter geworden und wirkt deutlich authentischer in seiner Zeit verankert.

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Text des Tages

bei Fixpoetry heute von Sibylla Schwarz:

Hochzeitgedicht auf der Jungfrau Braut Namen

Elisabeth von Stetens

Versetzet1
Ohe / last uns ins Bette

Was gilt es / Jungfrau Braut ? Was gilt es nun ? Ich wette /
Dass euer Herze spricht : Oh lasset uns ins Bette.
Gebt nur dem Herzen nach / so ist die Wette mein /
Ob zwar noch itzt der Mund dazu spricht lauter Nein.
Gebt nur dem Herzen nach / was will der Mund doch machen ?
Die Augen sprechen selbst / sie können nicht mehr wachen.
Gebt nur dem Herzen nach ! Seht ! Hymen2 ist bereit /
Er hat das Fackellicht / und spricht / es seie Zeit.
Geht / gebt dem Herzen nach / wir wünschen Euch darneben
Ein langes / glückliches / und auch ein fruchtbar Leben !
Geht / gebt nur gute Nacht / und heilt die Wunden zu /
Enthaltet euch nicht mehr der angenehmen Ruh.
Gebt mir nur willig nach / gewonnen ist die Wette :
Ihr seid doch gar zu krank / drum gehet nur zu Bette.

  • 1. anagrammiert – Aus den Buchstaben des Namens der Braut wird durch Buchstabenschüttlung ein anderer Text gebildet, der zur Grundlage für das Gedicht wird. (v = u)
  • 2. Antiker Hochzeitsgott, von dem es heißt, dass er bei jeder  Hochzeit anwesend ist und den Brautleuten »die Fackel hält«.

Aus: Sibylla Schwarz IST LIEBEN LUST, WER BRINGT DANN DAS BESCHWER? Reinecke & Voß 2016. 60 Seiten, 9 Euro. 978-3-942901-21-5

Hier zum Vergleich die Originalgestalt:

 

Hochzeitgedicht
Auff der Jungfraw Braut
Nahmen.
Elisabeth von Stetens.
Versezet.
Ohe / last uns ins Bette.

WAs gilt eß / Jungfraw Braut ? Was gilt eß nuhn ? Jch wette /
Daß ewer Herze spricht : Oh lasset uns ins Bette.
Gebt nuhr dem Herzen nach / so ist die Wette mein /
ob zwahr noch itzt der Mund dazuh spricht lauter Nein.
Gebt nuhr dem Herzen nach / was will der Mund doch machen ?
die Augen sprechen selbst / sie können nicht mehr wachen.
Gebt nuhr dem Herzen nach ! seht ! Hymen ist bereit /
er hat das Fackelliecht / und spricht / eß seye Zeit.
Geht / gebt dem Herzen nach / wir wündschen Euch darneben
ein langes / glückliches / und auch ein fruchtbar Leben !
Geht / gebt nuhr guhte Nacht / und heilt die Wunden zu /
enthaltet euch nicht mehr der angenemen Ruh.
Gebt mir nuhr willig nach / gewonnen ist die Wette :
Jhr seid doch gahr zu kranck / drumb gehet nuhr zu Bette.

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„Kleiner Mann“ im Urtext

Im Frühjahr 2011 gelang dem Berliner Aufbau Verlag ein weltweiter Überraschungserfolg – und das mit einem Buch, das damals schon mehr als 60 Jahre alt war: Das Buch hieß „Jeder stirbt für sich allein“, geschrieben von Rudolf Ditzen, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Hans Fallada. Das Besondere damals: Zum ersten Mal hatte der Verlag das Originalmanuskript Falladas veröffentlicht, das wesentlich ausführlicher war und härter im Ton als die zuvor im Rowohlt Verlag veröffentlichten Ausgaben. Nun erscheint im Aufbau Verlag erneut ein Originalmanuskript Falladas – diesmal von seinem größten Erfolg: „Kleiner Mann, was nun?“ – unser NDR Buch des Monats Juni.

(…) Fast ein Viertel des Originaltextes tauchte in der Nachkriegsausgabe nicht mehr auf. Schon deshalb ist diese Ausgabe von „Kleiner Mann, was nun?“ eine Sensation. Ganze Kapitel sind neu zu entdecken, zum Beispiel ein Ausflug der Pinnebergs ins Berliner Nachtleben, wo sie historisch verbürgte Lokale besuchen wie Clärchens Ballhaus und das Ballhaus Resi. / NDR

Kleiner Mann, was nun?
von Hans Fallada
448 Seiten
Roman
Aufbau Verlag
ISBN 978-3351036416
Preis: 22,95 €
1. Auflage, völlig neu bearbeitete Auflage

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Befreiung der Seele

Die bislang einzige russischsprachige Fundstelle des Namens Sibylla Schwarz (Сибилла Шварц) bei Google stammt von der russischen Übersetzung irgendeiner Seelenlehre. Wie auch immer. Unter der Überschrift „Die Befreiung der Seele“ gibt es dort chronologisch geordnete Listen von Ereignissen und Persönlichkeiten, die nach Meinung des Verfassers zur Befreiung der Seele beigetragen haben, beginnend mit dem Übergang der ersten Lebewesen aus dem Wasser aufs Festland vor etwa 15 Millionen Jahren, sodann aufrechter Gang, Feuer, der Sintflut 7500 Jahre vor der Zeitrechnung usw. Die ersten namentlich gelisteten Menschen sind der Pharao Menes und der Pyramidenbaumeister Imhotep. Zwischen 1600 und 1625 folgende Personen:

  • 1601 Baltasar Gracián (Schriftsteller, Philosoph)
  • 1602 Otto von Guericke (Politiker,Physiker, Erfinder)
  • 1602 Amalie Elisabetha von Hessen-Kassel (Regentin, wirkte am Dreißigjährigen Krieg und Westfälischen Frieden mit)
  • 1603 Amalia zu Solms-Braunfels (Gräfin, Regentin, Mäzenatin)
  • 1603 Marie Colinet (Hebamme und Wundärztin)
  • 1604 Jakob Balde (Dichter)
  • 1606 Jan Davidsz. de Heem (Maler)
  • 1608 Giovanni Alfonso Borelli (Physiker, Mathematiker, Astronom, Arzt usw.)
  • 1608 Evangelista Torricelli (Physiker, Mathematiker)
  • 1608 John Milton (Dichter, Philosoph)
  • 1609 Pierre-Paul Riquet (Ingenieur, Erbauer des Kanals von Toulouse zum Mittelmeer)
  • 1610 Hans Hautsch (Schmied, soll den ersten selbstfahrenden Wagen gebaut haben)
  • 1610 Maria Cunitz (Astronomin)
  • 1611 Nicolaus von Avancini (Dichter, Dramatiker)
  • 1613 Sophie Elisabeth, Herzogin zu Mecklenburg (mischte in der Landespolitik mit, leitete das Wolfenbütteler Hoftheater)
  • 1613 François VI. de La Rochefoucauld (Moralist)
  • 1613 Philipp Ludwig Freiherr von Reiffenberg (Kleriker, Ritter)
  • 1616 Nicholas Culpeper (Arzt, Botaniker)
  • 1618 Francesco Maria Grimaldi (Mathematiker)
  • 1618 Henry Oldenburg (Philosoph, unterhielt wissenschaftliche Kontakte nach ganz Europa, erfand die peer review)
  • 1621 Sibylla Schwarz (Dichterin, behandelte Themen wie Freundschaft, Liebe, Krieg und Tod)
  • 1623 Blaise Pascal (Physiker, Dichter, Philosoph, beschäftigte sich mit Vakuum, Luftdruck, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Hydrostatik, erfand das Pascalsche Dreieck, die vollständige Induktion und eine mechanische Rechenmaschine)
  • 1624 Thomas Sydenham (Arzt)
  • 1624 Père Lachaise (Jesuit, Physiker, setzte die Unabhängigkeit der französischen Kirche vom Papst durch)
  • 1624 Angelus Silesius (Dichter, Philosoph)
  • 1624 George Fox (einer der Gründer der Quäker)
  • 1625 Arnoldus Montanus (Theologe, Philosoph)

(die nächste ist Hendrikje Stoffels, die Rembrandt nach dem Bankrott das Weiterarbeiten ermöglichte)

Keine schlechte Liste!

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Es dichtet

Im Falladahaus in Greifswald, Steinstraße 59, steht Hans Falladas alias Rudolf Ditzens Gefängnistür (geborgen Mitte der 90er Jahre, als das Gefängnis in der Domstraße abgerissen wurde). Vorne im Gericht war Vater Ditzen Richter, hinten im Knast saß sein Sohn ein paar Wochen ein wegen Unterschlagung (Beschaffungskriminalität). Zum Glück Jahre später, er versuchte es vor dem Vater geheimzuhalten.

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Zellentür

Seit Jahren fotografiere ich fast jede Woche die eiserne Gefängnistür, auf der ein paar hundert Worte kleben, von Frau und Herrn Anonymus jeweils neu arrangiert. Ein paar Schnipsel aus dem Zustand von heute.

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flüstermir hablust
brustsing annakann

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Thomas Hettche erhält Wolfgang-Koeppen-Preis 2016

Der Wolfgang-Koeppen-Literaturpreis 2016 der Universitäts- und Hansestadt Greifswald wird in diesem Jahr dem Schriftsteller Thomas Hettche verliehen. Vorgeschlagen wurde er  von Karl-Heinz Ott, dem Preisträger des Jahres 2014. Die festliche Preisverleihung findet am 23. Juni 2016, dem Geburtstag Wolfgang Koeppens, um 18.00 Uhr im Geburtshaus des Schriftstellers und Greifswalder Ehrenbürgers, im Literaturzentrum Vorpommern, Bahnhofstraße 4 – 5, statt. Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder wird den Preis überreichen. Die Laudatio hält Karl-Heinz Ott. Zu Hettches jüngsten Werken gehört der Roman „Pfaueninsel“, erschienen 2014 im Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.

Karl-Heinz Ott begründet seinen Vorschlag mit den Worten:

„Thomas Hettches Werk lebt von der poetischen Prosa, die ganz und gar der Gegenwart verpflichtet ist, auch und gerade dort, wo Surreales und Märchenhaftes den Erzählton prägen. Mit Koeppen verbinden ihn eine stilistische Finesse und eine Imaginationskraft, wie sie in der deutschsprachigen Gesellschaft selten geworden sind. Und es spielen bei ihm, wie bei Koeppen Episches und Essayistisches, Geistesgeschichtliches und Gegenwärtiges stets ineinander. Hettche führt mit seinem Werk vor, dass Entzauberung und Zauber keine Gegensätze sein müssen.“

Die Universitäts- und Hansestadt Greifswald verleiht den mit 5.000 Euro dotierte Wolfgang-Koeppen-Preis seit 1998 alle 2 Jahre. Mit ihm wird ein literarisches Wirken gewürdigt, das in ähnlicher Weise wie das Werk Wolfgang Koeppens dem unvollendeten Projekt der literarischen Moderne verbunden, seiner Zeitgenossenschaft eingedenk bleibt und nicht zuletzt in seiner sozialen Sensibilität dem Werk Koeppens vergleichbar ist. Der jeweils letzte Preisträger schlägt den neuen vor. Bisherige Preisträger waren Richard Anders (1998), Thomas Lehr (2000), Susanne Riedel (2002), Ludwig Fels (2004), Bartholomäus Grill (2006), Sibylle Berg (2008), Joachim Lottmann (2010), Anna Katharina Hahn (2012) und Karl-Heinz Ott (2014).

Zur Person des Preisträgers Thomas Hettche

Thomas Hettche, 1964 in dem Dorf Treis am Rand des Vogelsbergs geboren, studierte Germanistik, Philosophie und Filmwissenschaft in Frankfurt am Main und lebt, nach Aufenthalten u.a. in Krakau, Venedig, Rom und Los Angeles, heute als freier Schriftsteller in Berlin und in der Schweiz. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und des Deutschen PEN.

Sein Werk

Hettche debütierte 1989 mit dem Roman »Ludwig muß sterben«, der als Geniestreich gefeiert wurde. Seitdem erschienen zahlreiche Romane und Essaybände, zuletzt 2014 »Pfaueninsel«. Die anrührende Geschichte von dem kleinwüchsigen Schloßfräulein Maria Dorothea Strakon, die von 1810 bis 1880 auf der Pfaueninsel in der Havel vor den Toren Berlins lebte, stand auf der Short-List zum Deutschen Buchpreis. Thomas Hettche wurde zahlreich ausgezeichnet, zuletzt mit dem Wilhelm-Raabe-Preis, dem Bayerischen Buchpreis, dem Düsseldorfer und dem Solothurner Literaturpreis.“

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Sibylla-Schwarz-Haus: Eigentum ist heilig (und verpflichtet zu nichts)

„Weil sich am Zustand des prominent am Fischmarkt gelegenen Gebäudes trotz Gesprächen und Aufforderungen nichts änderte, beschloss das Stadtparlament Ende Juni 2015 ein Enteignungsverfahren. Wie Bausenator Jörg Hochheim (CDU) informierte, gibt es einen Hauptgrund für die Skepsis der Enteigungsbehörde: Schwerin glaubt nicht, dass das Interesse der Allgemeinheit an einem schönen Stadtbild schwerer wiege als das vom Grundgesetz geschützte Eigentum. Das Innenministerium regt stattdessen an, ein laut Baugesetzbuch und Denkmalschutzgesetz mögliches Modernisierungs- und Instandsetzungsgebot auszusprechen.“ Ostsee-Zeitung, Greifswald, 13.4., S. 9

Hintergrund: Das Geburtshaus der Dichterin Sibylla Schwarz (1621-1638), abgesehen von den Kirchen eins von wenigen Überresten der mittelalterlichen Stadtgeschichte – die Familie Schwarz  war ein Greifswalder Patriziergeschlecht, das über Jahrhunderte Ratsherren, Geistliche und Professoren hervorbrachte – wurde vor 2 Jahrzehnten von einem privaten „Investor“ gekauft, der es seitdem vor sich hin gammeln läßt.

Patrizierhaus, Greifswald style

Patrizierhaus, Greifswald style (Tafel und Graffiti sind illegale Zusätze und somit von Amts wegen strafbar)

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