Klangcollagen

ARTus-Kolumne „SO GESEHEN“ Nr. 481

Der Berliner Dichter Richard Pietraß hatte den Auftritt um anderthalb Stunden verpasst. Das prima Essen war schuld, mag sein auch die schöne Frau an seiner Seite, die wenigen Stunden auf Rügen…

Und wohl verpasst die Chance auf ein neues Gedicht!?

Mit einem spektakulären Kunstereignis wartete am vergangenen Sonnabend die Orangerie Putbus auf. Als Finissage der Ausstellung „Stahlwerk“ angekündigt, konnten Besucher am vorletzten Tag der Bernard-Misgajski-Ausstellung auch noch eine Premiere der besonderen Art erleben.

Die Berlinerin Cathrin Alisch, freie Autorin und klassisch ausgebildete Musikerin, die Geige, Gesang und Komposition studierte, ansonsten erfolgreich unterwegs ist zwischen Berlin, Zürich und Wien, erwies sich erstmals auch auf Rügen als kompetente, mit Witz und Charme gewappnete Grenzgängerin zwischen den von ihr souverän beherrschten Genres: als Schauspielerin und Sängerin, als Musikerin und Erzählerin.

Abgestimmt mit und wohl auch angeregt von „Bildern“ der Stahlwerk-Ausstellung entwickelte Cathrin Alisch einen bezaubernd kurzweiligen Abend zum Thema „Mythen des Metalls“.

Magie und Mythos, Trance, Tanz und Tabu kreisen seit Jahrhunderten, mag sein seit Jahrtausenden um das Material Metall. Aus diesem reichen Vorgabereservoir entführte Cathrin Alisch ihre Zuhörerschaft mit einem Text- und Ton-Programm, das durch die ihr eigene, fein nuancierte und heute fast verloren gegangene Kunst des freien Erzählens und die sorgsam aufeinander abgestimmten Klangcollagen zu bannen wusste.

Als aufmerksame Menschenkennerin mäanderte die Performancekünstlerin quer durch die internationale Legendenlandschaft, spannte den Bogen von schamanistischen Traditionen über die Alchemie des Mittelalters bis zu Farben, Formen und Visionen von Metallkunst heute.

Bernard Misgajski strahlte und fühlte sich sichtlich verstanden.

Es konnte kaum einen treffenderen Ort für diesen Auftritt geben. Glauben wir der Künstlerin und ihrem unbedingten Eingenommensein für die Orangerie sowie einigen anwesenden kultursachverständigen Netzwerkprotagonistinnen Rügens, die Cathrin Alisch nach ihrem Auftritt regelrecht bestürmten; weil: „…Die Ohren verloren ihr Blei. / Die Füße gingen auf Zehen. / Den Augen kam Hören und Sehen…“ (Richard Pietraß)

So wird es wohl, so sollte es Nachfolgeauftritte von Cathrin Alisch mit ihrem Musik-Erzähl-Theater auf Rügen geben, nicht nur zu dem am Sonnabend gewählten Thema und nicht nur in der Orangerie. Da bin ich mir so gesehen ganz sicher!

ARTus

Erscheint am 4.9. in der Ostsee-Zeitung Rügen in der Kolumne SO GESEHEN von Walter G. Goes

Die Berlinerin Cathrin Alisch zaubert „Bilder“ mit Worten und Gesang.

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Greifswald
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